Vor 60 Jahren: Der Fernwärmefehler, der bis heute Folgen hat

Die Mettmanner Zeitung veröffentlichte am 20.05.1966 einen ganzseitigen Sonderbericht über die investigativen Rechercheergebnisse ihres Chefredakteurs Wolfgang Arenhövel.

Der „Weltkonzern“ Esso hatte den Vertrag in der Tasche, in Hochdahl ein Blockheizkraftwerk – „das bisher größte seiner Art“ – zu errichten. Arenhövel hatte erfahren, dass Mitbewerber durch eine „Kampfabstimmung“ aus dem Rennen gedrängt worden waren.

Arenhövels Bericht hatte es in sich. In seinem Kommentar kritisierte er die damalige Kommunalpolitik und die EGH scharf:

„Hochdahl erhält also ein Fernheizwerk auf Ölbasis! Die Verantwortlichen haben so befunden. Nach eigenem Ermessen. Auf Gutdünken. Nicht aber aus einer gewissenhaften Prüfung der Gegebenheiten heraus. Niemals. Darüber besteht kein Zweifel … Werden die zuständigen Gremien, die Verantwortlichen und Mitverantwortlichen nicht erst jetzt, da das Kind so gut wie in den Brunnen gefallen ist, mit den wahren Problemen konfrontiert? Mit so vielem, was bis heute in den Köpfen weniger und hinter verschlossenen Türen behutsamer als manches Staatsgeheimnis behütet wurde …“

Zwar berichtete er pflichtgemäß, dass Esso „das günstigste und wirtschaftlichste Angebot für die Fernheizung“ eingereicht habe – wenig überraschend, da das Werk jahrelang mit schwerem Heizöl betrieben wurde, welches als Abfallprodukt aus den Esso‑Raffinerien am Rhein anfiel. Doch Arenhövel hatte bereits in seinem ersten Artikel den entscheidenden Pferdefuß recherchiert:

„… dass die Esso sich in ihrem Vertrag in einer Preisänderungsklausel die Tür offenhält, Wärme teurer zu verkaufen als zunächst vorgesehen.“

Genau so kam es. Nach der Markteinführung stiegen die Kosten deutlich an. 1975 gründete sich die „Bürgerinitiative gegen Esso‑Favorit". Erste Versuche einer Rekommunalisierung scheiterten 1977. Esso ließ sich das Monopol nicht mehr nehmen – und es wurde bis 2023 immer weiter verhandelt und verlängert.