Anfrage an BM Schultz 03.07.2026
Sehr geehrter Herr Schultz,
über die eigenen Erfahrungen der vergangenen Tage und die aktuellen Berichte aus den Medien können wir nicht kommentarlos hinweggehen.
Bewusst verzichte ich zunächst auf einen förmlichen Antrag und wähle die Form einer Anfrage. Mir geht es zunächst darum, die Situation aus Sicht der Verwaltung fachlich einzuordnen und den kommunalen Handlungsbedarf zum Hitzeschutz zu identifizieren.
Wären die zahlreichen Hitzetoten Opfer eines Erdbebens oder einer anderen Naturkatastrophe geworden, wären Ausmaß, Dringlichkeit und politische Konsequenzen für jedermann unmittelbar sichtbar. Hitze tötet jedoch leise. Als Todesursachen werden häufig Herzinsuffizienz, Lungenentzündung, Nierenversagen, Schlaganfall oder andere Erkrankungen festgestellt. Die wissenschaftlich nachgewiesene Übersterblichkeit während extremer Hitzeperioden zeigt jedoch, dass es sich keineswegs um Einzelfälle handelt. Die jüngste Hitzewelle hat historische Ausmaße erreicht. Noch Tage später sterben Menschen an den Folgeschäden, etwa wenn hitzebedingte Nierenschädigungen irreversibel geworden sind.
Hinzu kommt: Anders als ein Erdbeben ist diese Entwicklung nicht ausschließlich eine Naturerscheinung. Sie ist wesentlich Folge des menschengemachten Klimawandels. Die Kommunen tragen Verantwortung dafür, wie gut sie ihre Bürgerinnen und Bürger vor den Auswirkungen schützen. Auch Entscheidungen des Rates – in der Vergangenheit wie in der Gegenwart – beeinflussen, wie widerstandsfähig Erkrath gegenüber Hitzeereignissen ist.
Besonders betroffen sind ältere Menschen, Kinder, Kranke und sozial benachteiligte Menschen, die sich gegen extreme Hitze oft am wenigsten schützen können.
Gleichzeitig erschwert die angespannte Haushaltslage notwendige Anpassungsmaßnahmen. Versäumter Klimaschutz führt heute zu einem erheblich höheren Investitionsbedarf für Klimaanpassung. Gerade deshalb erscheint es wichtig, Prioritäten neu zu bewerten.
Vor diesem Hintergrund bitte ich die Verwaltung, den nachstehend wiedergegebenen „Weckruf“ aus Sicht der jeweils zuständigen Fachämter einzuordnen und insbesondere folgende Fragen zu beantworten:
A) Trifft die Schilderung zu, dass Rettungswagen mit ausgefallenen Klimaanlagen im Einsatz waren? Waren hiervon Fahrzeuge aus Erkrath oder Fahrzeuge, die regelmäßig im Stadtgebiet eingesetzt werden, betroffen? Welche Vorkehrungen bestehen, um einen solchen Ausfall künftig auszuschließen?
B) Nach Presseberichten wurden im Zusammenhang mit dem Einsatz „Eichendorffweg“ mehrere Feuerwehrkräfte verletzt. Waren das letztlich „Hitzeopfer“? Welche Erkenntnisse liegen hierzu vor und sieht die Verwaltung Möglichkeiten, Ausrüstung, Einsatzorganisation oder Hitzeschutzmaßnahmen für Feuerwehr und Rettungsdienst weiter zu verbessern?
C) Bereits in den vergangenen Jahren habe ich auf die erheblichen Hitzebelastungen insbesondere im Hochdahler Jugendcafé hingewiesen. Nimmt die Verwaltung die jüngsten Ereignisse zum Anlass, die städtischen Gebäude hinsichtlich ihres Hitzeschutzes systematisch zu überprüfen? Wo besteht vorrangiger Handlungsbedarf für Arbeitsplätze und welche Verbesserungen können kurzfristig beispielsweise durch außenliegenden Sonnenschutz, Verschattung oder zusätzliche Baumpflanzungen erreicht werden?
D) Seit Jahren wird unter anderem die Einrichtung öffentlicher Trinkbrunnen an zentralen Standorten vorgeschlagen. Hält die Verwaltung dies inzwischen für eine niederschwelligere, sinnvolle und kurzfristig umsetzbare Maßnahme des gesundheitlichen Hitzeschutzes?
E) Welche Konsequenzen zieht die Verwaltung für die zukünftige Bauleitplanung und kommunale Bauvorhaben? Welche Bedeutung misst sie dabei insbesondere Baumpflanzungen, Dach- und Fassadenbegrünungen sowie weiteren Maßnahmen zur Minderung der sommerlichen Aufheizung bei? Besteht die Gefahr, dass solche Anforderungen im Zuge beschleunigter Genehmigungs- und Planungsverfahren an Gewicht verlieren?
Aus meiner Sicht darf der Maßstab künftig nicht mehr lauten, was heute ausreichend erscheint, sondern was angesichts der absehbaren weiteren Erwärmung dauerhaft ausreichend sein wird. Die bisherigen Erkenntnisse der Klimaforschung zeigen, dass sich der Klimawandel schneller vollzieht als prognostiziert.
Ich bitte die Verwaltung deshalb nicht nur um eine fachliche Bewertung der geschilderten Sachverhalte sowie um eine Darstellung, welche Maßnahmen im Zuständigkeitsbereich der Stadt Erkrath bereits bestehen, geplant sind oder künftig für erforderlich gehalten werden. Dazu gehört auch die Einflussnahme auf den Kreis.
Mit freundlichen Grüßen
Bernhard Osterwind